Malta 2017/18

Unsere mittlerweile traditionelle Neujahrs-Großfahrt führte uns in diesem Jahr nach Malta. Nach Italien 2013/14 und Spanien in den vier folgenden Jahren hatten wir uns diesmal für ein neues Ziel entschieden.

Los ging es am 27. Dezember früh morgens mit dem Touri-Bomber von Stuttgart aus. In Malta angekommen machten wir unsere ersten Erfahrungen mit dem maltesischen Bussystem: Es war erstmal langes Warten auf den Bus angesagt, der uns zu unserem Hostel bringen sollte.
Als wir dort endlich angekommen waren, stellten wir zu unserer Begeisterung fest, dass es sich um ein recht luxuriöses Hostel handelte mit viel Platz zum Chillen und auch sonst einigen Annehmlichkeiten. Den Rest des Tages verbrachten wir dann allerdings draußen mit einem Eingewöhnungsspaziergang von St. Julian’s nach Valetta und zurück.

„Mal eine einwöchige Tour weit weg von zuhause in einem anderen Land zu erleben, das war etwas ganz besonderes. Das sollten beim nächsten mal unbedingt mehr von unseren Pfadrangern wagen.“ (Gabriel, Wölfe-Team)

Am Folgetag starteten wir zu unserer ersten Etappe – einmal mehr mit deutlicher Verspätung, da der Bus einfach nicht kommen wollte. In Bugibba angekommen gingen wir erstmal einkaufen, bevor es dann richtig losging.  Der erste Teil der Etappe verlief relativ ereignislos durch Bugibba, St.-Paul’s Bay und Xemxija, wo es dann zur Erfrischung ein Eis gab. Dort verließen wir auch die Zivilisation und folgten einem Pfad mit wunderschöner Aussicht über die Bay in Richtung St. Paul’s Island. Dort soll angeblich Paulus nach seinem Schiffbruch gelandet sein, was auch durch eine große Paulus-Statue markiert ist. Der Weg verließ die Küstenlinie und führte uns zum ehemaligen englischen Fort Campbell und zum Selmun Palace, einem Jagdschloss der Ritter. Von dort folgte er einem Tal mit Gärten bis zum Meer um dann wieder auf die Küstenlinie einzuschwenken. In Mellieha versorgten wir uns nochmals mit Lebensmitteln, um dann bei bereits eingebrochener Dunkelheit unser Nachtquartier zu suchen: einen britischen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg mit Blick auf die Mellieha Bay.

Der Bunker war geräumiger als befürchtet und nachdem wir den Boden ausreichend vom Schutt befreit hatten bezogen wir unsere Nachtlager. Zum Abendessen gab es Ravioli – mit süßer Hackfleischsoße! Das scheint in Malta so üblich zu sein, wie wir später noch feststellen durften. Dank der ca. 16 km Tagesstrecke und dem Rauschen des Meeres waren wir alle bald eingeschlafen – bis der Regen einsetzte. Nach einiger Zeit stellte sich leider heraus, dass der Bunker zwar in trockenen Nächten ein gutes Quartier sein mochte, für Regen allerdings überhaupt nicht mehr taugte: das Wasser tropfte fast überall durch die Decke und floß – wie könnte es anders sein – in der Ecke in der Bene und Christian lagen zusammen. Wir überlebten die Nacht mehr schlecht als recht in die wenigen trockenen Ecken gedrängt und flüchteten deshalb am frühen Morgen zum ersten Bus, der nach Süden fuhr.

Statt der geplanten zweiten Tagesetappe um die Halbinsel Ahrax legten wir einen weiteren Tag im Hostel zum Trocknen ein. Die feuchten Schlafsäcke und Isomatten hatten es zum Teil bitter nötig. Im Bus gingen uns allerdings einer der Schlafsäcke und ein paar weitere Ausrüstungsgegenstände verloren und wurden leider vom Busunternehmen angeblich auch nie gefunden. Immerhin bot sich uns so die Möglichkeit mel einen der maltesischen Lidls von innen zu sehen…

Am dritten Tourtag brachen wir früh morgens auf um erstmal den verlorenen Schlafsack zu ersetzen (was uns auch die Möglichkeit gab unsere Gasvorräte zu ergänzen) un dann wieder zurück nach Norden bis fast an den Ort unseres nächtlichen Abenteuers zu fahren. Wenige Meter nach Beginn der Etappe standen wir schon wieder vor einem Problem: Hunde. Auch dies sollte uns nicht zum letzten Mal begegnen. Die Hunde hier zogen allerdings nach einigem Gebell und Umkreisen der Eindringlinge freiwillig ab. Wir durchquerten die Schmalstelle Maltas von der Mellieha Bay im Osten zur Westküste hinüber, der wir die nächsten Tage nach Süden folgen sollten.

Gegen Mittag erreichten wir den Vergnügungspark Popeye Village, wo in den Siebzigerjahren eine Comicverfilmung gedreht worden war. Wir allerdings machten nur ein paar Fotos und zogen uns dann an einen weniger windigen Ort zurück um Mittagessen zu kochen. Gabriel unterhielt uns solange mit Musik. Der Küste weiter nach Süden folgend erreichten wir am Abend den großen Zeltplatz der maltesischen Pfadfinder an der Golden Bay, wo wir die Nacht im Biwak verbrachten.

Von dort aus folgten wir dem Küstenweg auf die Höhe zu einem alten Wachturm der Ritter und weiter immer oberhalb der Felsenküste und hinunter in das große Tal, das Malta in einen Süd- und einen Nordteil teilt. Dort verließen wir die Küste und folgten der Straße um den Aufstieg aus dem Tal hinauf zu den Victoria Lines – einer alten britischen Verteidigungslinie – weniger steil zu gestalten. Hinter den Linien stießen wir auf das Dorf Kuncizjoni, wo wir von ein paar älteren Leuten willkommen geheißen wurden. Es wurde uns gleich gezeigt wo der Dorfladen (der wegen des Festes am Vortag aus seinem eigentlichen Lokal ausgezogen war) derzeit untergekommen war, so dass wir uns mit Vorräten versorgen konnten.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause (wir waren früh dran) zogen wir weiter ins Nachbardorf Bahrija und von dort durch ein mit übermannshohem Schilf bewachsenes Tal zurück an die Steilküste. Kurz nachdem wir auf die Steilküste gestoßen waren entdeckten wir dort eine Höhle, die wohl früher als Schaf- oder Ziegenstall genutzt wurde. Wir befanden sie für tauglich um darin zu übernachten und ließen Bene deshalb erstmal dort mit dem Gepäck zurück. Die Erkundung der Umgebung brachte die Erkenntnis, dass es sich wohl tatsächlich um den besten Schlafplatz handelte, den wir dort finden konnten und so beließen wir es auch dabei.

Die Neujahrsnacht sollte also in einer stinkenden Höhle abseits jeglicher Zivilisation verbracht werden. Abgesehen vom Gestank also genau das, was wir uns vorgestellt hatten. Zum Abendessen gab es Spaghetti Bolognese mit – wer hätte es gedacht – süßer Hackfleischsoße.

Etappe Nummer 4 begann für unsere Verhältnisse recht früh, was wohl auch daran lag, dass mittlerweile keiner mehr irgendwelche Schlafreste mit sich rum trug. Zwei Zwölfstundennächten sei’s gedankt. Einen Kilometer nach unserer Höhle gab es zur Abwechslung mal wieder eine Begegnung mit dem Hund. Dieser hier fletschte böse die Zähne und machte keine Anstalten uns vorbei zu lassen. Nach einiger Zeit wurde er zu unserem Glück von der Frau aus dem Nachbarhaus mit Steinen vertrieben, so dass wir unseren Weg unbehelligt fortsetzen konnten.

Viel zu früh kamen wir in Dingli, dem Ziel unserer Tagesetappe an. Es war noch nicht einmal Mittag. Wir setzten also die Rucksäcke ab und suchten erstmal einen Laden um uns zu verpflegen. Garnicht so einfach am Neujahrsmorgen. Aber einer hatte immerhin geöffnet. Beim Vesper wurde beschlossen, die nächste Tagesetappe einfach gleich mit anzuhängen, da wir ja noch den kompletten Nachmittag Zeit hatten.

Irgendwo verfehlten wir dann den eigentlichen Weg, der uns unterhalb der Klippen hätte vorbeiführen sollen und blieben daher oberhalb, was uns teilweise weglos mitten in die Steinbrüche führte. Ein Stück weit führte der Weg zwischen zweien davon hindurch. Ein Meter Weg und rechts und links davon der Abgrund. Zum Glück war es nicht windig, so dass wir den Abschnitt gut überstanden und es an die Küste hinunter schafften. Dort führte uns der Weg ins nächste Dorf und von dort aus auf der Straße im großen Bogen, vorbei an prähistorischen Tempelanlagen zur Blauen Grotte, dem Endpunkt unserer Tour.

Nach einer ausgiebigen Pause und einigen Momenten inmitten von asiatischen Touristen, die wie wir den Ausblick auf die Blaue Grotte fotografieren wollten, ging es dann mit dem Bus zurück nach St. Julian’s. Diesmal ohne Zwischenfälle. Dort mieteten wir uns nochmal für eine Nacht in einem der Hostels ein.

Am folgenden Tag fuhren wir zum Sightseeing nach Gozo – mal wieder in einem verspäteten und völlig überfüllten Bus (nur diesmal ohne sperriges Gepäck). Das Meer bei der Fährüberfahrt war recht stürmisch und auch bei unserem Besuch in der Zitadelle von Victoria (Rabat) mussten wir aufpassen, dass uns der stürmische Wind nicht von den Türmen und Mauern blies. Zum Mittag genossen wir maltesische Spezialitäten.

Abends zurück im Hostel ließen wir uns noch eine Empfehlung für ein ordentliches Restaurant in der Nähe geben, um den Abschluss unserer Fahrt zu feiern. Danach wollten wir eigentlich nur noch mit dem letzten Bus zum Flughafen fahren. Doch wer hätte es gedacht: der Bus kam mal wieder nicht. So standen wir mitten in der Nacht vor den Toren von Floriana und beratschlagten was wir nun machen sollten. Die Möglichkeiten waren nicht sehr vielfältig, so dass das, was in den Tagen zuvor im Spaß immer wieder angesprochen worden war nun zur Realität wurde: wir liefen eben zum Flughafen. Glücklicherweise ist Malta ja keine große Insel, so dass es sich nur um fünfeinhalb Kilometer handelte, die wir mitten in der Nacht per pedes zurücklegen durften.

Darauf gab es im Flughafen erstmal eine Runde kalte Getränke – auch als Alibi um den Rest der Nacht ungestört im Cafe verbringen zu können. Um 4.20 Uhr ging es dann los Richtung Stuttgart, wohin uns der Sturm offensichtlich gefolgt war. Burghild fegte übers Land. Und wir zurück nach Ulm.


„Fotos from our RR trip to Malta, doing the Malta Coastal walk from Bugibba to Blue Grotto (counterclockwise)“

From Malta 2017/18. Posted by Stefan Fani Fischer on 1/03/2018 (91 items)

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